25.1.06

Vorsibieren

Als von Malesten ausser Gefecht gesetzter Mensch hatte und habe ich viel Zeit - in letzter Zeit.
Zeit, Berichte über die Eiseskälte zu sammeln, Zeit, das Kältegeknirsche diverser Blogger zu verfolgen, Zeit, mir ab 08h00 in einer Arztpraxis nach der anderen, zumeist im heimischen Kiez, den Hintern warm zu sitzen, Zeit, Gesprächsfetzen aufzuschnappen, zum Beispiel Terminabsagen weiterer Patienten, zuhauf, denen es neben der kiezbekannten Zehnuhrmorgensfrühstaufstehzeit schlicht zu frostig ist und war, ihre beheizten Buden zu verlassen, Zeit, dem im Vorraum der Hausbank kauernden Jungobdachlosen mit Miniwelpen nicht benötigte Pullis und eine Decke aus meinem überstopften Chaos zu besorgen, Zeit, den Bewohnern des Hofbaums Apfelstückchen zu servieren, Zeit, mich zu informieren, ab welchen (leider nicht erreichten) Minusgraden Baum- und Pflanzenschädlinge das Zeitliche segnen, Zeit, dem zillesken Hausmeister beim Gejammer über geplatzte Wasserrohre in einem anderen von ihm betreuten Objekt um die Ecke zuzuhören, Zeit, die Wärmflasche ein ums andere Mal zu füllen, damit sie mit mir das wegen zu häufig dort verbrachter Zeit zur Zeit ungeliebte Bettchen teile, das so mancher Mensch draussen gar nicht erst besitzt.
Von meinem Zeitzuviel würde ich gerne abgeben - denen, die tapfer gegen die Kälte helfen: hier, östlicher, nördlicher, aber auch in Pakistan.
"Wenn meine Oma vier Räder gehabt hätte, wäre sie ein Omnibus gewesen" pflegte meine Großmutter weiland auf solch frommen Konjunktiv zu kontern. "Tunlichst mit Standheizung" müsste ich heute einwerfen.

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