Frivole Behauptung

"Hast Du gesehen", sagt die alte Frau aus dem Hochparterre zur nicht ganz so alten Frau von unterm Dach, "die Blonde aus dem 1. links im Vorderhaus hat Tag und Nacht den Vorhang zu in der Küche, blickdicht. Aber im Schlafzimmer, da kannst Du aufs Bett gucken." "Stimmt", erwidert die Frau von oben, "das ist meinem Mann und mir auch schon aufgefallen. Vor allem meinem Mann, weil der immer in ihr Schlafzimmer starrt und da tut sich nichts." "Hmmh", überlegt die Erdgeschossfrau, "die hat aber doch so einen großen Farbigen, der ist doch ständig da." "Ja eben", kichert die Dachfrau dreckig. Die alte Frau versteht nicht. "Du meinst, der will nicht, dass man ihn beim Kochen beobachtet? Vielleicht war der ja in Afrika in einer Kriegsgegend und da macht man das so." "Nein, nein, ganz falsch", und jetzt lacht die nicht ganz so alte Frau schallend, "denk doch nach, wo der Küchentisch steht!" "Am Fenster?" "Ja genau. Ein ziemlich stabiler. Und da werden sie das tun, was andere Leute im Bett so machen. Oft. Und dafür reichen die deutschen Schwänze nicht aus. Kommt auch im Fernsehen, sowas." Beide sehen sich an und um, grasen die Fenster von Vorderhaus, Seitenhaus und Gartenhaus nach Lauschern ab, tuscheln erheitert. Abends treffe ich die alte Frau aus dem Hochparterre, als sie ihren Hund ausführt, grüße sie, frage nach ihrem Befinden. "Blendend!", und sie schmunzelt. Kurz darauf klingelt es an meiner Tür. Die nicht ganz so alte Frau von unterm Dach zwängt sich in den Flur, erzählt vom Hinterhoftratsch, den ich schon kenne, erbittet meine Meinung. "Wirst schon Recht haben, ist mir aber trotzdem ziemlich egal", erwidere ich und biete ihr und ihren roten Bäckchen ein Glas Wein an, ziehe die Vorhänge in der Küche zu und wir setzen uns an den großen Tisch in Fensternähe.


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