31.5.06

Froh zu sein bedarf es wenig

Gestern Abend habe ich Fußball geguckt, war glücklich, Fußball als Alternative aussuchen zu können, obwohl das Spiel über weite Strecken hundsmiserabel verlief. Mir blieb keine andere Wahl, wollte ich abschalten.
Wochen lang hatte ich in Fachtexten gewühlt, mir ob kruder Satzbauten und sonstiger Vermeidbarkeiten die Haare gerauft, folgsam ein ums andere Stolpersteinchen ausgemerzt, zuguterletzt kaum noch wissend, ob nun das Rechtschreiblexikon fehlbar ist oder ich oder nicht.
"Ein Buch ist kein Hörsaal!" jaulte ich per Mail auf.
Als Antwort erhielt ich weitere Texte und flutete entsetzt mein Laptop, kundig assistiert vom Wollmonster.
Pause. Bett. Lesen.
Übersetzer und Lektor von Suhrkamp bereiteten mir zusätzliche Qualen: im letzten Drittel der eigentlich angenehm dümpelnden Freizeitlektüre waren Unmengen Fehler, Unmengen schiefe, teils völlig verdrehte Satzkonstrukte eingebaut, die erst zehn Seiten vor Schluss aufhören sollten.
Ich legte das Buch verärgert beiseite und dachte entschlummernd über eine Beschwerde beim einstigen Renommierverlag nach.
Anderntags saß ich am alten, lauten Rechner in der Hoffnung, endlich fertig zu werden mit den durchaus wertvollen Ergüssen der Wissenschafter ohne L.
Ich schrottete den Mausport, verzweifelte.
Windows 98 zeigte sich gnädig und ließ mich die USB-Maus antreiben.
Der Online-Support des Laptopherstellers schrieb mir unterdessen, ich solle das Gerät einschicken, am besten in der Originalverpackung (die längst entsorgt ist), ihre Rückmeldung abwarten, dann den Kostenvoranschlag schriftlich bestätigen, eine Weile würde das alles dauern, Pfingsten und so.
Abends korrigierte ich den Sprecher der Tagesthemen. Fortwährend.
Keine gute Idee, Fernseher aus.
Gestern las ich weder Buch noch Blogs noch Zeitungen: ich hätte keine
Patzer mehr ertragen.
Heute beseitige ich das unterdessen aufgelaufene Haushaltschaos, packe meine Sachen und fahre ein paar Tage weg. Wenn ich wieder zuhause bin, gibt's Fußball satt. Vorausgesetzt, ich ergattere noch rechtzeitig zur WM ein neues, erschwingliches Fernsehgerät. Das alte verschied nämlich nach Herrn Netzers abendlichem Gestammel freiwillig.

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Blogger Shila

Och - isch stehe mit der deutschen Grammatik sowieso auf Kriegsfuß.
Also kann ich Patzer sehr gut ertragen, zumindest meine eigenen.

Aber neben mir sitzt jemand, der ...
Aber lassen wir das :-)

01 Juni, 2006 10:36  
Anonymous Anonym

Mit irgendwas müssen Klugscheisser wie ich ihre Penunzen verdienen. ;-)

Gut, dass ich nochmal einen Blick auf den aktuellen Fahrplan geworfen habe. Der Zug wäre sonst ohne mich abgefahren. Eine Stunde früher aufgrund der Überflüssigbahnhoffertigstellung, zinesen.

01 Juni, 2006 13:38  

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