4.12.07

Häutung & Heimkehr


"Es geht um die Zeit, die Energie, die Kraft, die uns jede Beschäftigung kostet, denn jede psychische Verausgabung ist, als würde man Bargeld von einem seelischen Sparkonto abheben. Selbstverständlich wollen wir Bargeld abheben und uns am Geben und Nehmen in dieser Welt beteiligen. Aber ein überzogenes Konto zieht uns das kostbare Fell über die Ohren, und dann liegen wir auf dem Trockenen, sozusagen, dann fehlen uns die Rücklagen. Es ist der Mangel an frischen Energie-Überweisungen, der Mangel an neuen Einsichten, an positivem Feedback und Enthusiasmus, der ... das Gefühl gibt, allmählich bankrott zu gehen." (CPE)

Ob sie das Buch kenne, das Zitat, fragte die Greisin im Wind des Bahnsteigs rhetorisch und bedeckte ihre über Nacht hinzugekommenen Zahnlücken mit dem Schal vor der Kälte. Ja, kenne sie, und ihr sei auch kalt und sie habe sich ebenfalls die Zähne am Leben und den Nichtigkeiten ausgebissen, ein paar allerdings wackelten noch tapfer. Dass es egal sei, was Dritte über einen dächten, betonte die alte Frau, für sich und für die jüngere, zupfte an ihrer Wollhülle, die alles Fehlende verdecken sollte, senkte die tiefen, weisen Augen in den Blick der anderen. Dass sie beide nach dem Einsteigen nicht vergessen dürften, an der jeweils eigenen Station auszusteigen, das sei das Wichtigste.
Sie nickten sich einträchtig zu.