Spreewaldgurken

Über den Dächern Berlins winkte Lenins Büste der herzkranken Überzeugungssozialistin auf der Karl-Marx-Allee zu, während deren Sohn tragikomisch verzweifelt versuchte, im familiären Mikrokosmos die Geschichte des großeinigen Deutschlands anzuhalten, seinen aus der Rückschau melancholisierten Klitterungsfortgang des Arbeiter- und Bauernstaats mittels Kosmonautenzelluloids festzuhalten.
"Sozialismus, das heisst, auf den anderen zuzugehen, mit dem anderen zu leben."
Wären da nicht die Spreewaldgurken gewesen, die fehlten.
Heutzutage gibt es sie wieder in den Kaufhallen, die zum Beispiel "Extra" heißen, gibt es sie in mehreren Sorten, gibt es DDR-Kaffee, Rondo, feinste Arabicabohnen, Harzer Brocken und andere schmackhafte Dädäräreminszenzen aus meiner touristischen Rückschau aufs westkapitalistenfeindliche Zweitdeutschland, das wir regelmäßig besuchten, bis Muttern die nicht standesgemäße Behandlung an der Grenze in Hof zu lästig wurde - und wir zu alt.
DDR war für mich privilegiert bürgerlich, jugendlich frei, pionierisch blau und dieselig stinkend, auf Kopfsteinpflaster - ein Geruch, den ich mein Lebtag nicht vergessen werde.
Spreewaldgurken gab es damals nicht, nicht als Delikatesse jedenfalls, nicht bei unserer kulturkaderigen Verwandtschaft.
Genauso wenig wie die Schmachterei nach Bananen und Westschokolade, wie den Gedanken daran, dass irgendeinen fernen Tages aus zwei Ländern wieder eins werden könnte.
Zumindest auf dem Papier.
Froh, nicht im Kino gewesen zu sein, sondern diesen Film auf dem Sofa lümmelnd, ohne Popkorngeräusche und fremden Ellenbogen in den Suppenknien, genossen und jajaebenschmunzelkommentiert zu haben, schaltete ich nach den langatmigen, teils überflüssigen Bonussendungen ab.
Der Liebsten liebster musste kürzlich unbedingt Spreewaldgurken erwerben.
Ob es die in der Kaufhalle gäbe?
Mehrere Sorten, warum?
Der allwissende Schwabe im Bekanntenkreis habe darauf bestanden, dass Spreewaldgurken die besten Gurken überhaupt seien, dass, wer keine gekostet habe, nicht wisse, wie richtige Gurken munden, er unbedingt welche importieren müsse.
Er erwarb zwei Gläser unterschiedlicher Provenienz.
Eins öffnete er am hiesigen Küchentisch und verzog die Geschmacksmuskeln.
Viel zu süß.
Good Bye Lenin mochte er aus ähnlichem Grund nicht, erfuhr ich anlässlich des postsozialistischen Themenabends.
Besagter Schwabe, vermute ich, hat sein Lebtag noch keine Spreewaldgurken gekostet.
Er hat den Film gesehen.
Spreewaldgurken finden sich überall.
Lenins Büste hingegen winkt nur noch selten aus staubigen Krempelbudenecken.
In der Zweiländerstadt Berlin.
Auf andere zugehen, mit ihnen leben.
"Sozialismus, das heisst, auf den anderen zuzugehen, mit dem anderen zu leben."
Wären da nicht die Spreewaldgurken gewesen, die fehlten.
Heutzutage gibt es sie wieder in den Kaufhallen, die zum Beispiel "Extra" heißen, gibt es sie in mehreren Sorten, gibt es DDR-Kaffee, Rondo, feinste Arabicabohnen, Harzer Brocken und andere schmackhafte Dädäräreminszenzen aus meiner touristischen Rückschau aufs westkapitalistenfeindliche Zweitdeutschland, das wir regelmäßig besuchten, bis Muttern die nicht standesgemäße Behandlung an der Grenze in Hof zu lästig wurde - und wir zu alt.
DDR war für mich privilegiert bürgerlich, jugendlich frei, pionierisch blau und dieselig stinkend, auf Kopfsteinpflaster - ein Geruch, den ich mein Lebtag nicht vergessen werde.
Spreewaldgurken gab es damals nicht, nicht als Delikatesse jedenfalls, nicht bei unserer kulturkaderigen Verwandtschaft.
Genauso wenig wie die Schmachterei nach Bananen und Westschokolade, wie den Gedanken daran, dass irgendeinen fernen Tages aus zwei Ländern wieder eins werden könnte.
Zumindest auf dem Papier.
Froh, nicht im Kino gewesen zu sein, sondern diesen Film auf dem Sofa lümmelnd, ohne Popkorngeräusche und fremden Ellenbogen in den Suppenknien, genossen und jajaebenschmunzelkommentiert zu haben, schaltete ich nach den langatmigen, teils überflüssigen Bonussendungen ab.
Der Liebsten liebster musste kürzlich unbedingt Spreewaldgurken erwerben.
Ob es die in der Kaufhalle gäbe?
Mehrere Sorten, warum?
Der allwissende Schwabe im Bekanntenkreis habe darauf bestanden, dass Spreewaldgurken die besten Gurken überhaupt seien, dass, wer keine gekostet habe, nicht wisse, wie richtige Gurken munden, er unbedingt welche importieren müsse.
Er erwarb zwei Gläser unterschiedlicher Provenienz.
Eins öffnete er am hiesigen Küchentisch und verzog die Geschmacksmuskeln.
Viel zu süß.
Good Bye Lenin mochte er aus ähnlichem Grund nicht, erfuhr ich anlässlich des postsozialistischen Themenabends.
Besagter Schwabe, vermute ich, hat sein Lebtag noch keine Spreewaldgurken gekostet.
Er hat den Film gesehen.
Spreewaldgurken finden sich überall.
Lenins Büste hingegen winkt nur noch selten aus staubigen Krempelbudenecken.
In der Zweiländerstadt Berlin.
Auf andere zugehen, mit ihnen leben.


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Hmm -
hab ich mir auch angeschaut, mitsamt Bonusbeigabe.
Spreewaldgurken gibt es längst wieder, sogar hier, fast in Frankreich.
Ich mag sie auch nicht, zu süß, bin halt doch im tiefsten Inneren noch Schwabe :-)
Apropos Gurken: Die besten bislang gegessenen gabs in der Slowakei.
Ich bin ja noch mit der Bezeichnung SBZ aufgewachsen. Und SBZ bedeutete für uns: Arme Verwandschaft, Päckchen schicken und Solidaritätskerzen im Fenster. SBZ war tiefstes, unerreichbares Ausland. Vater durfte später mit einer Sportdeligation hin und kam mit abgerissenem Mercedesstern zurück. Er hat gelacht und es den Jungs gegönnt.
kein diesel!
GEMISCH! heisstdat.
ps:spreewaldgurken sind nich süss- hattersich vertan.
diese perversengurkenhappen viell.
achso...
15€ würd ich zahlen fürneschönelenin. bornze. versteht sicht.
:)
haste?
Wenn schon, dann Benzin-Öl-Gemisch, Frau Oberlehrer. ;-)
Nachgemachte Büsten bekommste für teures Geld auf dem Russentourimarkt, den Du kennst (oder hinterm Ostbahnhof).
Bei einem Trödler Richtung Autobahn findste gelegentlich Gipsbüsten, bronzefarben bepinselt oder marmoriert, mit abgeschlagenem Näschen.
A propos Ostprodukte:
Rotstern Nougattütchen - ich könnt' mich reinlegen.
Soljanka und Co. aus der Konserve hingegen kommt mir nicht auf den Tisch.
Und nun viel Spaß beim Stöbern auf Osthits.de, aber Vorsicht, Kaffeepott weit weg stellen, nicht essen, es besteht erhebliche Verschluckgefahr.
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Und ab damit in die Eggdose. ;-)
Er ist nicht Schwabe, er ist Hese. Glaube ich. Ist man das, wenn man aus Frankfurt-Wiesbaden oder irgendwo da kommt?
Da Du Hesse schon intertoniert richtig schreibst, wird das wohl so sein mit dem Frankfurter Riesenwürstchen.
Besser wird's dadurch eher nicht.
;-)
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