12.4.06

Es Räuchli

Endlich weiss ich, was es heisst, wenn Neuzeitschamanen empfehlen, bei bösen Geistern und Poltergeräuschen, bei negativen Schwingungen schlechthin, die Wohnung auszuräuchern.

Lidl sei Dank.
Und meinem Fischsonstwasmetzger um die Ecke.
Beim Discounter den Ofen, beim Fachmann das Holzgewürzmehl erworben.
In einschlägigen Internetforen fanden sich kaum Anleitungen.
In der Kaufhalle die Warnung von Frau Schulze mit E, bloß mit Brennspiritus vorsichtig zu sein, den Gasherd, den ich leider nicht besitze, unbedingt ausgeschaltet zu lassen, da sei schon soviel passiert.
Viel Mehl in den Ofen, viel, sagte der Fisch- und Fleischmeister.
Viel.

Tagelang hatte ich die dicke Hühnerbrust brav gepökelt, wahrscheinlich zu sehr, aber das spielt jetzt keine Rolle; jedenfalls flog die Kartoffel, die oben schwimmen sollte, fast aus der Lake.
Trocken getupft, mit Gewürzen bedeckt, in das Räucherteil gelegt, selbiges angezündet, die Luftzufuhr gedrosselt.
Irgendeine innere Stimme flüsterte noch, leg' was drunter, Alu oder einen Rost.
Machte ich brav.
Direkt neben der Spüle, auf der lackierten Holzplatte.
Wumm krachte es und aus dem Abzugsregler dampfte es holzig.
Nach Buche-Hickory-Gewürz-Note.
Aha, das Mehl hat sich entzündet, klappt alles, bestens.
Vierzig Minuten noch, mindestens.
Es stank aber schon nach zehn Minuten ziemlich heftig, beissend, ungesund.
Unter dem Ofen brannte noch nichts.
Auch nach zwanzig Minuten nicht.
Blickinspektion.
Dafür kokelte es.
Die Lackierung der Holzplatte, realisierte ich, bevor ich grob mit Wasser ablöschte, um anschließend bei um die 3° Außentemperatur sämtliche vorhandenen Fenster sperrangelweit aufzureissen.
Lange. Sehr lange.

Fenster putzen, Vorhänge waschen, Mist.
Noch vor Ostern.
Vermaledeiter Spiritus.
Vermaledeite Experimente.
Aus der Wohnung rauchte es heftigst.
Schlaft, liebe Nachbarn, schlaft.
Bitte keine Feuerwehr.
Morgen drüber lackieren.
Halb so wild.
Ausgeräuchert ist, so richtig.
Ich lachte in mich hinein, beruhigte das Katzenvieh.

Hier riecht es jetzt wie weiland bei Köhlers.
Beltane (der 1. Mai als Datum ist Kappes, das nebenbei) - kurz vor dem erwartungsgemäß heftigen Frühjahrsvollmond - ward würdig eingeleitet.
Außerdem sollte man immer in mehreren Etappen räuchern, steht in einem alten Kochbuch, in das ich vielleicht vorher hätte schauen sollen.
Morgen räuchere ich weiter, draussen dann.

Salut, doofe Schwingungen und Winterplagegeister!
Welcome, Osterschinken!


Musik zum Szenario:
Werner Widmer: Mändig Morge im Himmel
Led Zeppelin: Stairway to heaven
Motörhead: See me burning

4x interaktiviert

Anonymous Anonym

tzas, szie suchen in den falschen foren. grillforum hättes getan -
räuchern tut man ja schon von altersher eher draussen, gaaaten oder so - nu wissense wieso -
arrrrrrmeeees julchen!

13 April, 2006 08:37  
Anonymous Anonym

TISCHräucherofen nennt sich dieses hochfunktionale Teufelszeug. ;-)

Diverse Grill- und Angelsportforen bringen einen nicht wirklich weiter.
Letztlich heisst es überall nur, man solle rumexperimentieren, bis es passt.

Den ganz speziellen Geruch der Metzgereien aus Kindertagen weiss ich nun auch zuzuordnen.
Und das ist doch immerhin schonmal was.

13 April, 2006 11:07  
Anonymous Anonym

amüsant, für aussenstehende

hätten sie in das räuchermehl
ein paar cannabiskrümel gegeben,
wär es auch für sie lustig geworden;-)

14 April, 2006 10:44  
Anonymous Anonym

Amüsant auch für mich.

Hauspostillens, die ja nachher zum Essen kommen, fragten nach dem Geruch - im ganzen Haus -, den sie beide mögen.
Erklärung folgte.
Räucherei Mo.
Macht ihnen gar nix noch intensiver duftend, leider. ;-)
Fange ich halt an, das Essen vorzubereiten - Fisch auf preussische Art für Sachsen, die das so nicht kennen.

14 April, 2006 12:03  

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