Flatterei

30 000 Stück gekeultes Nutzgeflügel im Dreikilometerradius um ein kleines Dorf in Sachsen herum, aus dem unsere Hauspostille stammt. Als ich ihr erzähle, was meine Vermutungen zur Vogelgrippe sind, dass die Verursacher wohl in experimentierenden Zuchtbetrieben zu suchen sind, widerspricht sie entschieden, das sei alles deutsches Federvieh in Wermsdorf, da sei nix reinimportiert, das müssten Schwäne oder die Ratten der Lüfte verbrochen haben, sie kennte den Mann, der löge nicht, dort sagte jeder die Wahrheit, sie müsse das schließlich wissen, kennte die Menschen dort, nur zu gut.
In den Discountern und Metzgereien dieser Stadt, die gänzlich Vogelgrippenbeobachtungsgebiet ist, noch bis Ende des Monats, werden Eier, Hähnchen und Pute verkauft wie bisher. Keine Einbrüche im Umsatz, keine Kaufverweigerungspanik, keine Sonderangebote.
Die Menschen hier machen lediglich einen großen Bogen um alles, was flattert, haben ihre Vogelhäuschen weggeworfen.
Währenddessen erlebe ich auf meinem Balkon ein tägliches, buntes Stelldichein.
Amseln, Buchfinken, Grünfinken, Spatzen, Elstern, Ringeltauben und der dicke Dompfaff wechseln sich einen halben Meter von meinem Arbeitsplatz in Radau und Randale ab, holen sich die letzten Körner, Apfelschalen, Moos und Zweige für den Nestbau.
Ein freches Spatzenpärchen hat gar damit begonnen, im hintersten Eckchen des Blumentopfregals ein Nest zu bauen, völlig ungerührt ob der zeitweisen Präsenz der hiesigen Schnarchkatze im Minibiotop.
Vorhin landete eine der Ringeltauben mitten in der Schüssel mit Obststückchen, krachte mitsamt derselben vom Tisch, zeterte, kam unbeholfen wieder hoch, tolpatschte weiter durch die gesamten Blumenkästen und geigte dem Elsterich ihre Meinung, bevor sie beim Abflugversuch wieder ausrutschte und in seltsamen Kreiseln in die Linde trudelte, wo sie seither der Welt ihr Leid klagt.
Dann klingelte das Telefon.
Eine besorgte Nachbarin, die das muntere Treiben im Blumentopfchaos aufmerksam und schon länger beobachtet, hatte Hauspostillens angerufen, die meinen Zweitschlüssel hüten, manchmal die Wohnung.
Das sei doch gefährlich auf meinem Balkon, ich hätte doch eine Katze, die Ansteckungsgefahr, die vielen Vögel, die ganze Stadt eine einzige Beobachtungszone, mein Vogelherd mittendrin.
Das ist alles deutsches Federvieh, nichts reinimportiert, beschwichtigte ich, grinsend, ich müsse das wissen, nur zu gut.
Karfreitag kommen sie zum Abendessen.
Es gibt Fisch.
In den Discountern und Metzgereien dieser Stadt, die gänzlich Vogelgrippenbeobachtungsgebiet ist, noch bis Ende des Monats, werden Eier, Hähnchen und Pute verkauft wie bisher. Keine Einbrüche im Umsatz, keine Kaufverweigerungspanik, keine Sonderangebote.
Die Menschen hier machen lediglich einen großen Bogen um alles, was flattert, haben ihre Vogelhäuschen weggeworfen.
Währenddessen erlebe ich auf meinem Balkon ein tägliches, buntes Stelldichein.
Amseln, Buchfinken, Grünfinken, Spatzen, Elstern, Ringeltauben und der dicke Dompfaff wechseln sich einen halben Meter von meinem Arbeitsplatz in Radau und Randale ab, holen sich die letzten Körner, Apfelschalen, Moos und Zweige für den Nestbau.
Ein freches Spatzenpärchen hat gar damit begonnen, im hintersten Eckchen des Blumentopfregals ein Nest zu bauen, völlig ungerührt ob der zeitweisen Präsenz der hiesigen Schnarchkatze im Minibiotop.
Vorhin landete eine der Ringeltauben mitten in der Schüssel mit Obststückchen, krachte mitsamt derselben vom Tisch, zeterte, kam unbeholfen wieder hoch, tolpatschte weiter durch die gesamten Blumenkästen und geigte dem Elsterich ihre Meinung, bevor sie beim Abflugversuch wieder ausrutschte und in seltsamen Kreiseln in die Linde trudelte, wo sie seither der Welt ihr Leid klagt.
Dann klingelte das Telefon.
Eine besorgte Nachbarin, die das muntere Treiben im Blumentopfchaos aufmerksam und schon länger beobachtet, hatte Hauspostillens angerufen, die meinen Zweitschlüssel hüten, manchmal die Wohnung.
Das sei doch gefährlich auf meinem Balkon, ich hätte doch eine Katze, die Ansteckungsgefahr, die vielen Vögel, die ganze Stadt eine einzige Beobachtungszone, mein Vogelherd mittendrin.
Das ist alles deutsches Federvieh, nichts reinimportiert, beschwichtigte ich, grinsend, ich müsse das wissen, nur zu gut.
Karfreitag kommen sie zum Abendessen.
Es gibt Fisch.


3x interaktiviert
es poulet btw auch grad in dland. fiel mir neulich bei lö plüs auf. und ich hab mich schon gewundert: achherrje, so is das also mit der meinungsFührerschaft. hab ich einmal zu laut geäussert das ich das mitm poulet supi finde und mir das hier auch wünschte poulets statt hühnerteile zweifelhafter herkunft (nur brüstchen san poulets, oder?) kaufen zu können - schwupp - wars da.
Wie geschrieben: hier ist von Rabatten nichts zu merken, was vielleicht auch damit zu tun hat, dass DD näher an Sachsen liegt, immer noch Geflügel aus dem geschlossenen Betrieb bzw. dem zuständigen Schlachthof im Umlauf ist, angeblich.
Für die Schweiz sind 7,25 CHF (mitten in Züri) für zweieinhalb Kilo Geflügelfleisch ein absoluter Dumpingpreis.
Hundert Gramm Pouletbrust ohne Resthuhn gibt es ab um die drei Franken.
Laut dpa wurde seit dem ersten Auftreten der Vogelgrippe in Deutschland Mitte Februar in Berlin lediglich ein Fall der Viruserkrankung entdeckt, nämlich der Mäusebussard unbekannter Herkunft.
Kommentar veröffentlichen
<< Home