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Die Obsessionen anderer waren ihm peinlich. Sie führten ihm seine eigene Trägheit vor und ließen ihn vermuten, daß ihm die Fähigkeit zu absoluter Begeisterung fehlte.
Wie ruhig es war, an diesem Ort im Windschatten der Zeit, totenstill. Wie hatten es die Menschen früher fertiggebracht, die Augen zuzumachen, ganz früher, zu Zeiten hungriger Tiere und marodierender Stämme? (..) Er lag auf dem Rücken, bereit zum Auszug ins verheißene Land, in dem seine Vergangenheit wartete, zurechtgerückt, nachgebessert und korrigiert, damit er auch wirklich aushielt, was er zu sehen bekam, was er sich zeigte.
Der Wind ist immer präsent, selbst wenn er gar nicht weht, weil er dann, argwöhnisch, da der Ruhe nicht zu trauen ist, darauf wartet, daß er erneut anhebt zu flüstern, lauter wird, drängender, zum nachdrücklichen Vibrato anschwillt, zum Gebrüll, das keine Widerrede kennt, daß er erneut die Wasserflächen umordnet, Unruhe in Büsche bringt, Bäume zaust, Vogelschwärme in die Luft wirft, versprengte Wolken zusammentreibt, Muster in ungemähte Wiesen streicht und in den Blechkanten singt und murmelt, daß es ist, als spräche ein alter Freund zu ihm.
(Aus: Hansjörg Schertenleib, Der Papierkönig; Aufbau-Verlag Berlin, 2003)
Schertenleib ist ein grandioser Schreiber und Wortmaler. Lesenswert vom ersten Buchstaben bis zum letzten, auch wenn ihm beim Papierkönig die Rundheit des Plots entglitten ist - absichtlich oder unabsichtlich, wer weiß das schon so genau.
Vom Zürich der Hausbesetzerjahre ins Donegal County der Neunziger, von Lebensaufarbeitung und Sinnsuche, von Vergewaltigung und Mord, von Briefen aus dem Knast, die zunehmend an Bedeutung verlieren, vom Aufgeben und Sichtreibenlassen an der irischen Küste. So wie der Autor scheitert, scheitern die Protagonisten - allesamt. Das jedoch gekonnt.
Wie ruhig es war, an diesem Ort im Windschatten der Zeit, totenstill. Wie hatten es die Menschen früher fertiggebracht, die Augen zuzumachen, ganz früher, zu Zeiten hungriger Tiere und marodierender Stämme? (..) Er lag auf dem Rücken, bereit zum Auszug ins verheißene Land, in dem seine Vergangenheit wartete, zurechtgerückt, nachgebessert und korrigiert, damit er auch wirklich aushielt, was er zu sehen bekam, was er sich zeigte.
Der Wind ist immer präsent, selbst wenn er gar nicht weht, weil er dann, argwöhnisch, da der Ruhe nicht zu trauen ist, darauf wartet, daß er erneut anhebt zu flüstern, lauter wird, drängender, zum nachdrücklichen Vibrato anschwillt, zum Gebrüll, das keine Widerrede kennt, daß er erneut die Wasserflächen umordnet, Unruhe in Büsche bringt, Bäume zaust, Vogelschwärme in die Luft wirft, versprengte Wolken zusammentreibt, Muster in ungemähte Wiesen streicht und in den Blechkanten singt und murmelt, daß es ist, als spräche ein alter Freund zu ihm.
(Aus: Hansjörg Schertenleib, Der Papierkönig; Aufbau-Verlag Berlin, 2003)
Schertenleib ist ein grandioser Schreiber und Wortmaler. Lesenswert vom ersten Buchstaben bis zum letzten, auch wenn ihm beim Papierkönig die Rundheit des Plots entglitten ist - absichtlich oder unabsichtlich, wer weiß das schon so genau.
Vom Zürich der Hausbesetzerjahre ins Donegal County der Neunziger, von Lebensaufarbeitung und Sinnsuche, von Vergewaltigung und Mord, von Briefen aus dem Knast, die zunehmend an Bedeutung verlieren, vom Aufgeben und Sichtreibenlassen an der irischen Küste. So wie der Autor scheitert, scheitern die Protagonisten - allesamt. Das jedoch gekonnt.


2x interaktiviert
covering beckett + malloy!
Könnte man streckenweise in Betrachtung ziehen, ja.
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