24.6.07

Drag on, dragon


Morgens an der Haltestelle stand ein mehrzentnerschweres Schwarzwaldmädel mit sehr großen Füßen und wartete auf die Tram in die Stadt. "Mist, CSD vergessen, der ist ja heute", brummelte ich auf dem Weg in die Zoohandlung vor mich hin. Wieder zu Hause packte ich den Rucksack und merkte, dass die Batterie der Kamera nicht aufgeladen war, dockte sie kurz an die Steckdose und lief zum Bus. Mittlerweile war die Stadt ab Brandenburger Tor großräumig gesperrt. Laufen also, viel laufen, an all den Urlauberschwärmen vorbei und durch sie hindurch. Ein dicker Mann kam mir entgegen, auf dem eng gespannten Tribal-Shirt über der Bierbrust stand Dragon geschrieben. Dabei fiel mir die wahrlich dämliche Überschrift zu diesem Text ein. Danach kam erst mal Regen. Sehr viel Regen. Dann ziemlich bald das Schwarzwaldmädel in Begleitung, Dragqueens mit verwischter Tropfschminke, die üblichen CSD-Protagonisten, knipsende Hausfrauen, "Wir stellen das bei uns im Fotoclub aus, aber die Sache mit dem Urheberrecht, doch auf dem Umzug darf man ja..", sich aufschwipsende Stimmung ringsum, die feinerweise auch auf viele Heten am Straßenrand übergriff: es wurde fleissig geknutscht und getatscht. Derweil streikte die Kamera, die schönsten Bilder bleiben im Kopf, sinnierte ich abspeichernd, und dass es politischer zuginge als die Jahre zuvor, authentischer, endlich wieder, während am Landwehrkanal ein Lederschwuler in Begleitung einen Baum zu tränken gedachte. Bis es so weit wahr, verging ein Weilchen. Die Beine im Ouvert, die Männlichkeit kunstvoll eingepackt, mit vielen Ösen. Das galt es schleunigst aufzuschnüren, hibbelnd vor Bedürfnis. Die Prozedur dauerte und dauerte. Fast so lange wie bei mancher Frau im Aufreißstaat. Oder länger. Nett anzuschauen war das Aktiönchen allemal, der Erleichterungsseufzer sehr laut, der Strahl entsprechend druckvoll. Zur neuerlichen Einwickelung bedurfte der Kerl der Hilfe seines Partners. Und wieder dauerte es halbe Ewigkeiten. Neben mir stand eine Tunte, die dem Herrenangeschirre gebannt zusah. Mein Lachen störte sie sichtlich. Was daran so amüsant sei? Als Frau dürfe ich das schon putzig finden, entgegnete ich und setzte meinen Gang fort. Abends an der Siegessäule dann kommentierte eine Touristin das gesellige Treiben: "Solche" Frauen verstehe sie ja, aber "solche" Männer? "Eklig, mindestens!" Das Schwarzwaldmädel hatte sich unterdessen wahrscheinlich in sein Kuckucksuhrenhaus mit Kirschwasservorrat und Bedienseppel hinter der Tür zurückgezogen. Gesehen habe ich es nämlich nicht mehr.

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Blogger Unknown

dauerte. Fast so lange....
ich will ja nix sagen aber...sie sind ja auch nich gerade die schnellste...näch.

das thema csd ist schwierig, den hierigen hab ich komplett verschwitzt. er ist überschaubar, durchaus politisch (war im letzten jahr zusammengelegt mit irgendsonem internat. trans...dings..tag) und hat in der nachfolgenden diskussion schon mal zur folge dass die ganzen takelschwuppen, leder-mit-sklaventypen und transis (von jeder gattung gibts eben bei der hierigen version 1-2, nur um den umfang zu verdeutlichen) ja nicht eben viel positives zum bild des gleichgeschlechtlich zugetanen beiträge *ÄCHZ*

dieses ganze: ach, himmel wie sind ja achsonormal und wollen unsere andersartigkeit garnicht betonen geht mir solange gegen den strich wie es in diesem und anderen ländern gang und gebe ist dafür mit schöner regelmässigkeit von eltern und freunden verstossen oder wenigstens verachtet zu werden, aufs maul zu bekommen oder zu tode geprügelt zu werden. so!

der zeitartikel die tage war übrigens auch nicht sonderlich aufschlussreich, die kommentare (web) sprachen dann allerdings auch wieder bände...und das vom zeit-publikum.

ich mag etwas geschädigt sein, aber ich unter dem label 'toleranz' eigentlich immer noch die mehrheit der (ostdt.) landbevölkerung im hinterkopf die zwar nicht als lynchmob gegen homosexuelle vorgeht, die wörter unnormal und abartig in kombination mit verbieten und arbeitslager wenigstens leise oder nur im kleinen kreise laut ausspricht - und bei der die toleranz bei 'aber wenn die auch noch zur provokation öffentlich knutschen müssen' eben leider doch aufhört...(unbedingt zu vermerken das dies alles keine minderheitsstatements+erfahrungen sind)

ach...ich könnte endlos weiter...

lesben natürlich werden eher als heterosexuelles amüsement und 'unbedrohlich' begriffen*, nur wenn das weibliche äussere nicht sofort zu erkennen ist wird auch schonmal nicht nur die rhetorische keule rausgeholt...*ächzächz*

* das hiesse ja weibl. sexualität ernstzunehmen...ach, herrje, ja, es gibt so tage, da schreibe ich solche sachen und meine sie auch so .hmpf.

27 Juni, 2007 20:24  
Blogger Mo

Hast es doch gut gemeint.

Und von wegen ich brauche lange: wenn mir wer bei zuguckt, schon. ;-)

27 Juni, 2007 20:27  
Blogger Unknown

ich hab nicht zugeguckt, ich sass in der küche rum und hab gefühlte 5 welteroberungspläne geschmiedet, 'wir packen einen koffer' mit dem inhalt des papierkorbs und mir selbt gespielt...etc etc...

27 Juni, 2007 20:36  
Blogger Mo

Dünnpfiff ist was anderes. So.

Fotos gesehen? Hinterm ersten CSD-Wort?

27 Juni, 2007 20:38  
Blogger Unknown

dat schantalle übrigens arbeitet als animier(?)und bediendame in einer homosexuellen männerlokalität. ne, keine klappe gezz. mehr so tanzmusik.

27 Juni, 2007 20:39  
Blogger Mo

In so 'ner Lokalität hab' ich als junger Mensch auch mal gearbeitet. Sind nicht die schlechtesten Jobs für arme Schüler und Studis.

27 Juni, 2007 20:41  
Blogger Unknown

sie is, soweit ich weiss, weder das eine noch das andere. bilder sah ich gestern oder so. würd direkt auch ganz gern machen, wenn da nicht die laute musik, die vielen menschen und das viele stehen (rücken!) und servieren (arme!) wäre...tja.

27 Juni, 2007 21:06  
Blogger Mo

Für hinter der Bar fehlt die Erfahrung. Und da ist es ebenfalls laut.
Gibt aber auch kleine, feine Schwulenspelunken, die gelegentlich wen suchen. Aber eben niemand, derdiedas dort unbekannt ist.
Zumal: wie willste das als Menschenflüchter überhaupt realisieren, selbst theoretisch?

27 Juni, 2007 23:40  
Blogger Unknown

sach ich ja...die menschen!
ich will nur guten willen zeigen, auch privat, aus sanktionsangst - sie verstehn....

28 Juni, 2007 00:54  
Anonymous Anonym

Jobs ganz ohne Menschen kannste knicken. Aber einkaufen gehste schließlich ooch.

Ich lass' mich hier nicht nach Belieben von jeder und jedem siezen, wie's gerade in den Kram passt. Und ihrzen (mit Dank an Limbach) auch nicht.
Zifüfmferl!

28 Juni, 2007 07:06  
Blogger Unknown

ich sieze wie ich manchmal eben auch bratwürste mit sauerkraut esse.

und sie zurückwerfen ist nicht, was gesagt ist, is gesagt.

gibt aber jobs fast ohne menschen- das archiv der krankenkasse (praktikum) war ein paradies. natürlich, frühmorgens post sortieren mit anderen - aber das war nach 20min durch - im laufe des tages kamen dann noch maximal 5 telefonanrufe die vorher die suchenden ankündigten und oft hatte man stunden am stück zeit sich notizen von herrensaunas unter der schreibtischunterlage versteckt zu machen, kulis zu sortieren (und klauen) aus dem kleinen fenster auf den betriebsparkplatz zu schauen, mineralwasser zu trinken und abzunehmen, sowie hmhmhm zu machen + darüber nachzudenken, was man zu mittag essen würde. jede stunde nach oben, ans licht z steigen, um in der kantine rauchpause zu machen. natürich hab ich jetzt nicht meine tätigkeiten beschrieben (ich wurde zugeschüttet mit sortierkrams) sondern die dessen der dort arbeitete und karlchen genannt wurde, ein dirk bach verschnitt, der quotenhomo. zwei jahre später war er dank seiner mineralwasserdiät nur noch die hälfte, hörte ich - so passt er also auch wieder zwischen die regale.

30 Juni, 2007 17:05  
Blogger Mo

Ellen, die Archivarin.
Vorstellbar. Gut sogar.
Frei nach Spitzweg, der wiedergeboren ward.
Bloß wie ein D.B.-Verschnitt wirst Du nie aussehen. Nie. ;-)

30 Juni, 2007 23:28  
Blogger Unknown

häh d.b. ? welcher d.b.? ich persönlich bin ja froh wenn ich manchmal wien mensch aussehe.

spitzweg, der carl? also ich mag ja seine topoi - die umsetzung is gezz nicht ganz meine stilrichtung, aber sonst so - biedermeier wird ja oft unterschätzt, architektonisch war das eine echte rüddeldiekatz-epoche! ganz ganz toll! auch in die mode kam langsam schwung (brummel) und boxen wurde unter englischen gentleman langsam angesagt ...

hasbeth ist der überzeugung ich müsste dringend reich werden, so dass ich mein leben als privatgelehrte/privatier fristen könne. ich widerspreche ihm zwar häufig, aber in diesem falle...

leider sind all seine versuche mich +sich reichzubetteln im sande verlaufen. anverwandte hochadelsbagage: krankhaft geizig und homosexuell.
befreundete seit jahrzehnten gutverdienende künstler: kein interesse weil ich keine akademie besuchte

usw usf

01 Juli, 2007 01:30  
Blogger Mo

Je nun.
Es ist ein weiter Weg nach Sparta.
Oder so.
Als ich damals die Firma gründete, sagte mein Musikerbrüderlein, ich habe die Kunst um des schnöden Mammons willen verraten. Die Entgegnung, dass das Mäzenatentum nicht auf Bäumen wächst, verstand er erst viele Jahre später: kurz vor jetzt.
Tja.
Dommage!

01 Juli, 2007 01:35  
Blogger Unknown

ach, um mäzenatentum gings ja noch nichtmal - der kunstarsch hat sich ja nichtmal meine website angeschaut. ph. geachtet hätte ich den ohnehin nicht. malt aufträge und dinge von denen die galeristin in munich meint es verkaufe sich gut *kotz* - soviel zum thema kontakte knüpfen. bah.

im raum stünde ja immer noch das thema atomzeituhr - die es könnten (produktions/geldmittel)sind zu feige das zu finanzieren (steuersachbearbeiter, geistige und reale und scheuen sich wie miez vor wasser)

tja, und dann is da noch die sache mit der x-ten auflage vom sammleradressbuch. ab nächster woche muss ich ja an diesem dämlichen existenzgründerseminar teilnehmen (10km von hier!) nur um eeeeeventuell eine dingsförderung zu bekommen (also etwa halbes jahr hartz+einstiegsgeld, wohl max. 200€) und dann kann ich mich drum kümmern das ding druckfertig zu machen und druckkosten vom munde abzusparen. quasi.

01 Juli, 2007 01:41  
Blogger Mo

Bin mal gespannt, wie sich das entwickelt.

02 Juli, 2007 15:30  
Blogger Unknown

ach..knicken, ich kann keine 2000€ netto umsatz pro monat machen - alles andere ist unrealisierbar. alles hoffnungslos.

02 Juli, 2007 18:09  
Blogger Mo

Du hast es doch noch nicht mal versucht.

02 Juli, 2007 21:52  
Blogger Unknown

jaaaaaaaaaaa, ich versuchs. ich bin richtiggehend motiviert. so inklusive bevorstehender orakelung eines potentiellen geschäftsjahres in das alle bösen eventualitäten einkalkuliert sind. ich weiss jetzt schon jede menge was man so macht als kapitalist, nur weiss ich immernochnicht welche unternehmensform ich dann bin (einzelunternehmer, oder heisst das anders?)

mein ehrgeiz ist es klein auf niedrigem niveau zu bleiben und irgendwann mal was zu veröffentlichen was im gegensatz zu hasbethens publikationen auch 'buch' genannt werden kann ohne das papier, hersteller und käufer sich dessen schämen müssten.

so richtig was zu verlieren hab ich ja nicht....nur KV hab ich immer angst drum so als hypochonder. aber so um die 200€ findet sich da sicher was. RV kann ich eigentlich gleich weglassen, wozu auch...der rentenzug ist abgefahren. derzeiter evtl. stein im weg: vermieter duldet kein gewerbe in der wohnung - hoffe das es kein problem gibt da die nutzung ja wie immer ist.

04 Juli, 2007 23:44  
Blogger Mo

KSK in Betracht ziehen.
Und vom Einzelunternehmer bei entsprechender fiskaler Veranlagung auf GmbH umsatteln, minimiert zudem die lebenslange Haftung.
Irgendwann.
Das Irgendwann stört mich.
Weil ich Dich etwas kenne.

05 Juli, 2007 06:57  
Blogger Unknown

hüstl...isja gezz auf 10.0000 runter - das mit der haftung...nunja, der geschäftsgründer...scheffe, vorstand, wie auch immer haftet immer, mit allem. ist ja ein verbreiteter irrtum *bruha* okok, da hab ich vorgestern oder so zum ersten mal von gehört...KSK? als verleger (=gewerbe) unwahrscheinlich, odr?

ich bin ja ehrgeizlos, solang bei der ganzen sache bei minimalem aufwand nach abzug aller lebensnotwendigkeiten so 500-800€ überbleiben ist das schon ok. sehr sogar. ich bin ja genügsam in deer haltung.

05 Juli, 2007 10:08  
Blogger Unknown

das irgendwann ist zurecht sehr vage - es ist ja weder so das ich noch jemand für umme n superbuch im schränkchen liegen hat - hasbeth nervt immer mit kochbuchideen, aber seine ideen sind eh immer scheisse - aber wenns nat. finanziell not täte, was es eh immer tut (kooperation mit mbBs in sachen regionalküche, die fühlen sich dann verpflichtet, steuern bei, butag selbst ordert...etc - so als idee) was soll ich sagen, ich mach mir da keine illusionen - an autorenhonorar etc wird erstmal sehr lange nicht zu denken sein - ergo auch keine fremdbücher - sammleradressbuch, ebay und anderweitiger verkauf von schriften+zeitungen ausm 17,18,19ten jahrhundert, und hossa, grauenvoll, aber wird gekauft! : postkarten.

hauptargument...weg von arge und, schlafen können wann man will - bzw, eigener rhytmus gestaltbar. merke ja aktuell wie ein tagesstart um 8:00 bei 45min fahrzeit mich fertigmacht.

05 Juli, 2007 10:17  
Blogger Unknown

mal davon abgesehen das selbstverlag gaaaaaarnichgeht! never!....naja...unter pseudonym viellt - bin aber froh dass sich die frage aufgrund werksmangel nicht stellt - und bildbände zu aufwändig in den druckkosten.

05 Juli, 2007 10:19  
Blogger Mo

Unterhalt' Dich mal mit Herrn Undhochdrei.
Die Sache mit der lebenslangen Haftung des FGs stimmt bei GmbHs so nicht. Aber das uferte hier aus.
Wenn's so weit ist also!

05 Juli, 2007 15:10  
Blogger Unknown

wtf is Herr Undhochdrei ? und welcher db - immernoch? nargh!

06 Juli, 2007 10:12  
Blogger Mo

Wer ist WTF?-)
DB = Dirk Bach. Mit dem hast DU angefangen.

06 Juli, 2007 15:27  

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