Herbst vorm Balkon

Auf dem Weg zum abendlichen Bus sieht es zwar nicht ganz so aus wie in St. Pauli, wo obiges Foto Anfang August entstand, aber düster und skurril ist es in manchen Ecken auch, unsaniert dazu, weshalb es sich dort ein Backpacker-Hostel kommod gemacht hat.
Manche Mehrbettzimmer haben einen Balkon zur Straße, beim schönen Wetter der letzten Tage lebhaft frequentiert von Halbwüchsigen aus aller Welt, im ersten Stock von Deutschen, die, sich angeregt unterhaltend, offensichtlich Streiche ausheckten, dabei qualmend wie der größte Schornstein weit und breit.
Aus der einige Meter entfernt gelegenen Absturzkneipe namens Hally Gally schwankte ein älteres Paar heran und unter dem Balkon durch.
Die Burschen schwiegen kurz, warfen eine brennende Zigarette nach unten und skandierten lautstark, dass diese "Heeeeeee, Sie!"-Betitelten doch bitte unverzüglich die Zigarette wieder nach oben katapultieren sollten, sie sei ihnen versehentlich entglitten.
Das Pärchen blieb stehen, überlegte sichtlich, guckte sich an, dann die Jungs, brummelte irgendwas, die Frau sagte "Nu mach' dit!", und der Mann trat heftig angestrengt die Zigarette aus, bevor er Richtung Balkon blickte, murmelte und sich anschickte, mit seiner Holden weiter zu torkeln.
"Heeeeeeeeee, Sie! Das ist mutwillige Zerstörung fremden Eigentums! Das ist Sachbeschädigung! Das dürfen Sie nicht! Wir fordern Ersatz! Sonst holen wir die Polizei!"
Schwupps, rasten sie ins hell erleuchtete Zimmer, zur Tür hinaus, nach unten.
Genauso schwupps verschwand das Pärchen in der nächsten dunklen Seitenstraße.
Auf der anderen Straßenseite stand ich, lachend.
Was es da zu lachen gäbe?
Jede Menge in Berlin, jeden Tag, sollten sie auch mal versuchen.
Sie nickten, grinsten, gingen zurück ins Hostel, positionierten sich erneut auf dem Balkon, zündeten sich Zigaretten an und warteten auf ahnungslose Kundschaft, winkten.
Zwei Minuten später fuhr leider mein Bus.
Manche Mehrbettzimmer haben einen Balkon zur Straße, beim schönen Wetter der letzten Tage lebhaft frequentiert von Halbwüchsigen aus aller Welt, im ersten Stock von Deutschen, die, sich angeregt unterhaltend, offensichtlich Streiche ausheckten, dabei qualmend wie der größte Schornstein weit und breit.
Aus der einige Meter entfernt gelegenen Absturzkneipe namens Hally Gally schwankte ein älteres Paar heran und unter dem Balkon durch.
Die Burschen schwiegen kurz, warfen eine brennende Zigarette nach unten und skandierten lautstark, dass diese "Heeeeeee, Sie!"-Betitelten doch bitte unverzüglich die Zigarette wieder nach oben katapultieren sollten, sie sei ihnen versehentlich entglitten.
Das Pärchen blieb stehen, überlegte sichtlich, guckte sich an, dann die Jungs, brummelte irgendwas, die Frau sagte "Nu mach' dit!", und der Mann trat heftig angestrengt die Zigarette aus, bevor er Richtung Balkon blickte, murmelte und sich anschickte, mit seiner Holden weiter zu torkeln.
"Heeeeeeeeee, Sie! Das ist mutwillige Zerstörung fremden Eigentums! Das ist Sachbeschädigung! Das dürfen Sie nicht! Wir fordern Ersatz! Sonst holen wir die Polizei!"
Schwupps, rasten sie ins hell erleuchtete Zimmer, zur Tür hinaus, nach unten.
Genauso schwupps verschwand das Pärchen in der nächsten dunklen Seitenstraße.
Auf der anderen Straßenseite stand ich, lachend.
Was es da zu lachen gäbe?
Jede Menge in Berlin, jeden Tag, sollten sie auch mal versuchen.
Sie nickten, grinsten, gingen zurück ins Hostel, positionierten sich erneut auf dem Balkon, zündeten sich Zigaretten an und warteten auf ahnungslose Kundschaft, winkten.
Zwei Minuten später fuhr leider mein Bus.


5x interaktiviert
Vielleicht gibt es aus diesem Grund in Berlin die wenigsten Herztoten Deutschlands.
Lachen ist doch die beste Medizin. Das erlebe ich zur Zeit auch.
Ist das so?
Sollte ich mal recherchieren.
Jedenfalls ist dann mein malades Pümpchen zumindest physisch in der richtigen Stadt.
Die Sache mit Deinem Vater habe ich mitbekommen, es aber vorgezogen zu schweigen, weil der einzige Trost eine herzliche Umarmung gewesen wäre, ein Zuhören, Erzählenlassen.
Das läuft nicht weg.
Unseren Kram wollte ich da nicht noch zusätzlich draufschaufeln, zumal der anhält, leider, ebenfalls nicht wegläuft.
Manchmal ist das Leben wie eine manuell zu erklimmende Stiege im Rolltreppenprinzip. Man weiß nie, ob's gerade rauf oder runter - und für wen - geht. Selten laufen beide Menschen konstant nebeneinander, in die gleiche Richtung, obschon sie's so gern möchten.
Ganz liebe Grüße.
Das ist so, das habe ich im Radio gehört heute. Es liegt wohl mit daran, dass die Leute schnellstmöglichst versorgt werden können in der großen Stadt.
Mir geht es gut, wirklich. Klar, die Erinnerungen überfallen mich, aber es ist erträglich.
Ich konnte ihn ein Stück weit begleiten und mich verabschieden, das ist viel wert.
In der gleichen Stunde wurde im Zimmer nebenan ein Baby geboren, mit den gleichen schwarzen Locken wie sie mein Vater hatte.
Auch das war tröstlich.
Wie die Sinti sagen..
Wenn ein Mensch geht, kommt für ihn ein neuer nach.
Gruß vom Küchentisch
Ich weiß :-)
Meine Großmutter hat das oft genug gesagt.
Als ich schwanger war, äußerte sie sich sehr besorgt, wer aus der Familie wohl gehen muss.
Dass sie selbst es war - damit hatte sie am allerwenigsten gerechnet. Sie hat es gerade noch geschafft, ihren Urenkel noch zu sehen.
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