Es adventelt sehr

Vor gut einem Jahr saßen wir in dem kleinen, feinen Restaurant gegenüber von einem riesigen Einkaufscenter, das nur selten Ziel irgendwelcher Stöbereien ist. Wir tranken ein Gewuseldurstbier - oder zwei - und fühlten uns wohl in diesem kleinen Ostseereminiszenzchen mit der laut Karte wahrscheinlich fabelhaften Küche, die wir irgendwann unbedingt ausprobieren wollten.
Heute saß ich wieder dort, aus Gewuseldurst, und trank mein Bier. Als einziger Gast.
Die Chefin schmückte emsig das Lokal. "Immer am Montag nach Totensonntag", sagte sie, "das muss so sein, danach sind wir ausgebucht, Weihnachtsfeiern und so." Es bliebe seit Jahrzehnten an ihr kleben, dieses Kunstgenadel und -gesternel und -gekugel. Aber um Weihnachten herum, da solle ich doch einen Tisch reservieren, da sei es richtig nett, oder um Sylvester.
Dass ich seit mehr als einem Vierteljahrhundert ähnlichem Adventsstress ausgesetzt sei, erzählte ich ihr. Alle Jahre wieder die gleichen Sorten Plätzchen, das Weihnachtsmenü wie im ersten Ehejahr meiner Eltern und wohl schon davor.
Familienweihnachten käme bei ihr zu kurz, ich solle doch froh sein. Ja schon, aber doch nicht immer als verpflichtendes Muss, selbst hier, hunderte Kilometer weg vom ehemaligen Daheim, von Heiligabend bis zum Jahreswechsel Dauergroßküche für sich die Klinke in die Hand gebende Verwandtschaft.
"Kommen Sie halt zu uns essen", wiederholte sie erneut, nur um dann das Thema zu wechseln, von der See zu erzählen, dem Segeln auf alten Kähnen, dem Winter am Meer, wo es noch keine rauchfreien Zonen gibt und Heizpilze vor der Tür, wie in ihrem Lokal und in immer mehr Verpflegungseinrichtungen der Stadt.
Ich bezahlte, half ihr, die Kunstnadeln an der Spitze gerade aufzurichten, parallel zum Krähennest eines Viermasters, der dahinter schief geölt und gerahmt an der Wand hing, versprach, wirklich einmal Essen zu kommen, vielleicht nach Hiddensee nächste Woche, vielleicht rauchfrei, vielleicht in froher Erwartung der Familienfütterung.
Vielleicht aber auch nur auf ein Gewuseldurstbier, nächstes Jahr um diese Zeit.
Heute saß ich wieder dort, aus Gewuseldurst, und trank mein Bier. Als einziger Gast.
Die Chefin schmückte emsig das Lokal. "Immer am Montag nach Totensonntag", sagte sie, "das muss so sein, danach sind wir ausgebucht, Weihnachtsfeiern und so." Es bliebe seit Jahrzehnten an ihr kleben, dieses Kunstgenadel und -gesternel und -gekugel. Aber um Weihnachten herum, da solle ich doch einen Tisch reservieren, da sei es richtig nett, oder um Sylvester.
Dass ich seit mehr als einem Vierteljahrhundert ähnlichem Adventsstress ausgesetzt sei, erzählte ich ihr. Alle Jahre wieder die gleichen Sorten Plätzchen, das Weihnachtsmenü wie im ersten Ehejahr meiner Eltern und wohl schon davor.
Familienweihnachten käme bei ihr zu kurz, ich solle doch froh sein. Ja schon, aber doch nicht immer als verpflichtendes Muss, selbst hier, hunderte Kilometer weg vom ehemaligen Daheim, von Heiligabend bis zum Jahreswechsel Dauergroßküche für sich die Klinke in die Hand gebende Verwandtschaft.
"Kommen Sie halt zu uns essen", wiederholte sie erneut, nur um dann das Thema zu wechseln, von der See zu erzählen, dem Segeln auf alten Kähnen, dem Winter am Meer, wo es noch keine rauchfreien Zonen gibt und Heizpilze vor der Tür, wie in ihrem Lokal und in immer mehr Verpflegungseinrichtungen der Stadt.
Ich bezahlte, half ihr, die Kunstnadeln an der Spitze gerade aufzurichten, parallel zum Krähennest eines Viermasters, der dahinter schief geölt und gerahmt an der Wand hing, versprach, wirklich einmal Essen zu kommen, vielleicht nach Hiddensee nächste Woche, vielleicht rauchfrei, vielleicht in froher Erwartung der Familienfütterung.
Vielleicht aber auch nur auf ein Gewuseldurstbier, nächstes Jahr um diese Zeit.


0x interaktiviert
Kommentar veröffentlichen
<< Home