Sensibilisierung

Was redest du da? Zum aberhundertsten Mal hatte ich, wie alle um mich her, gesagt: "bis zur Vergasung". Das hieß so viel wie "bis zum Überdruss". Nie hatte ich bemerkt, was die Worte bedeuten. Ich hatte einen Ausdruck gebraucht, der - ja, wann eigentlich entstanden war? In den Fünfzigern, den späten Vierzigern? Oder noch früher, schon zu einer Zeit, als kein Deutscher von so was gewusst hatte? Ab sofort sagte ich, sagten meine Freunde: "bis zum get no". Das klang auch viel cooler.
Die Sprache, heißt es, verrät das Denken. War ich also Antisemit? Ich sprach ja auch von Negern und Zigeunern und hörte gern deren Musik - war ich Rassist? Ich denke nicht. Ich bin aber aufgewachsen und erzogen worden in einem Land, in dem man auf solche "Feinheiten" keinen besonderen Wert legte. Das galt als Haarspalterei. Dafür hatten wir keine Antenne. Nicht in der Sprache. Nicht in unserem Denken. Es gab Wichtigeres. Und insofern verriet uns unsere Sprache eben doch.
(Karsten Laske)
Die Sprache, heißt es, verrät das Denken. War ich also Antisemit? Ich sprach ja auch von Negern und Zigeunern und hörte gern deren Musik - war ich Rassist? Ich denke nicht. Ich bin aber aufgewachsen und erzogen worden in einem Land, in dem man auf solche "Feinheiten" keinen besonderen Wert legte. Das galt als Haarspalterei. Dafür hatten wir keine Antenne. Nicht in der Sprache. Nicht in unserem Denken. Es gab Wichtigeres. Und insofern verriet uns unsere Sprache eben doch.
(Karsten Laske)


6x interaktiviert
ah...da hendse wieder was erwähnt...darübe erregte ich mich erst kürzlich fürchterlich - mal ganz ehrlich, ich frag mich überhaupt wie einem das mit der vergasung unbeschwert über die lippen gehen kann - mit ganzen generationen von lehrern und dozenten, eine spezies die das besonders gern zu nützen scheint, also von ende 20 - 60 hab ich mich angelegt deswegen, die reaktion war immer die gleiche, entweder totale ignoranz oder kurzes bedenken und dann immer wieder mal eine sache die bs zur vergasung verinnerlicht udn geübt werden müsste. deutschlehrer inkludiert.
mir stellt und krempelt sich alles in um ummen körper herum auf wenn man diese floskel mit derartiger renitenz immer wieder bemüht.
(getno ist auch schlimm, aber anders schlimm. ich war ein anonymer getno benutzer)
dann lieber kinder die in den mittleren 90ern geboren wurden und mit 10 fidel auf der schaukel 'maikäfer flieg' sangen *gnihihihi*
In der Istzeit gibt es jede Menge Wörter fragwürdiger Herkunft, die zunehmend inflationär gebraucht werden.
Front zum Beispiel. Der Aller-Zeiten-Superlativ.
Undundund.
Den Menschen die "Verbraunung" bewusst machen. Immer wieder, immer öfter.
Es gibt ein feines Buch aus dem Hause de Gruyter, das jedem Wortarbeiter Pflichtlektüre sein sollte:
Georg Stötzel / Martin Wengeler
Kontroverse Begriffe
Geschichte des öffentlichen Sprachgebrauchs in der BRD
Also, DER Beitrag irritiert mich selbst. Ich werde 45, ok, ich leb in Bern und Zürich, aber den Gedanken hatte ich (blind oder taub oder halt einfach unschuldig) noch nie. Ich assozierte das mit 'nem Mopedmotor, der irgendwie verpufft, mit 'ner Spraydose, die sich erschöpft, mit was verblasendem, wegen Überhitzung verrauchendem, wie ein Pneu, eine Achse, 'n Zahnarztbohrer, aber den Gedanke ... und wie komm ich da wieder raus? Irgendwie wie zum Begriff Geschlechtsverkehr oder Sex: man kann einen festlichen Abend damit verbringen, assoziative Begriffe dazu zu finden. Nicht das ich das Anmahnen streitig machen möchte. Doch hat man/frau überhaupt eine Chance, sich da nicht stets von Neuem zu vertun? Huba!
Ich achte mich mal vor mir selbst.
Es gibt diese Chance, die da eine der Achtung und des Achtgebens ist.
Warum sich der Schweizer mit sprachlicher Herkunftsverdrängung einfacher tut, ist ein anderes Thema.
(Nicht jetzt.)
das bedeutete ja den allemannischen sprachraum als deutschen sprachraum zu betrachten, da sag ich nö - ein schweizer darf vergasen, auch wenn er 33-45 manchmal nicht ganz so neutral war, aber das muss ja wie in A noch 'aufgearbeitet' werden ;))
Ich find's nicht lustig. Kein Stück.
Kommentar veröffentlichen
<< Home