24.6.07

Halogenschein


Zurück vom CSD schmiss ich meinen Rucksack auf den üblichen Platz, holte die Kamera heraus, um sie anzudocken, dachte an nichts Böses und freute mich, dass der Kater so friedlich spielte. Irgendwo musste er ein Fressjagdstöckchen ausgegraben haben, dachte ich bei mir. Später verschwand er auf den Balkon, wächtern, und ich aufs Sofa, ausruhen. Alles wie immer, tutto kleintierzoonormal. Plötzlich kam er herein gerannt, hüpfte auf mich, was er als großer Pseudopantherdobermann so nur noch tut, wenn er seine Mama wirklich braucht, sabberte extrem, schmiss den Kopf schier epileptisch durch die Gegend, als hätte er Technobässe in den Adern, überspeichelte, war innerhalb von Sekunden pitschnass gespuckt, schüttelte sich und den Kopf weiterhin, zum Erbarmen. Was zum Teufel hatte er bloß? Brachial riss ich sein Maul auf: keine Schwellung, alles in Ordnung, tastete ihn auch sonst überall ab. Nichts. Keine Fledermaus oder Urzeitmücke, die ihn während der Geisterstunde angebissen hatte, immerhin. Aber was dann? Was? Just in dem Moment rief die Nachbarin an, kam sofort herunter, eiswürfelbepackt. Keine Ahnung, auch sie nicht. Kälte ins Mäulchen, Killerblick. Milch pipettiert, Tötungswunsch-Fauchgetröpfel. Und dann wurde mir schlagartig klar, was der Grund für das Malheur war: An der Siegessäule hatte mir ein Halbmännchen zum Dank für eine Kippe neben ein paar Bussis ein schickes lilafarbenes Leuchtstäbchen überlassen, das ich irgendwann in den Rucksack stopfte, als der Spieltrieb nachließ. Der Kater wiederum hatte es heraus gezerrt und damit Fangen geschubst, so lange darauf herum gebissen, bis die Flüssigkeit auslief, sich zeitverzögert in die Schleimhäute ätzte und quecksilbergleich über die Dielen kullerte. Tiernotrufzentrale: ratlos. Doc vorbei schicken? Bloß nicht! Tierärztekammerbereitschaft: Giftnotrufzentrale anrufen und danach noch mal melden. Giftnotrufzentrale: Keine Ahnung, in den Unterlagen der letzten Jahrzehnte nachsehen. Gefunden: mehrere Kinder und zwei Katzen, nicht lebensbedrohlich, beobachten. Nein, da sei heutzutage kein Phosphor mehr drin, wirklich nicht. Bereitschaftsärztin informiert. Die fand die Angelegenheit spannend bis amüsant, wollte sie vermerken. Nein, keine Rechnung. Unterdessen war das Adrenalin beim Tier und mir wieder gesunken. Kopfschüttelnd musste ich grinsen. Die alte Flokatidame nicht. Hatte sie sich doch schon arg gefreut aufs Alleinsein mit mir, endlich wieder. Was eine kleine Weile bleibt: der leuchtende Mülleimer. Lila. Geschenkt.

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Anonymous Anonym

Schockschwerenot.
Und ich dachte schon, ett gäbe jetzt 'nen lila Leuchtkater im großen B, der nächtens den Balkon verstrahlt...

*erleichtert ab.

27 Juni, 2007 19:29  
Blogger Mo

=;-)

Schließlich ist er kein Halbmännchen, sondern ein Nullmännchen.

27 Juni, 2007 19:36  
Blogger Unknown

gottohgott! ohhhhhhhhgottohgott! also wirklich - mir ward bang!
was tiere so alles überleben. ich bin gebeutelt, auch wenn ich die persönl. bekanntschaft noch nicht tat.

27 Juni, 2007 20:09  
Blogger Mo

Mir war auch bang. Bänger noch.
Und ich hätt' mich treten können.
Fürchterlich treten.

27 Juni, 2007 20:13  
Anonymous Anonym

Erfahrung ist mir die höchste Autorität. Carl R. Rogers - selbsterfahren wie naseweis, ich weiss - grins.

28 Juni, 2007 04:57  
Anonymous Anonym

Nicht für das Leben, für das Alter lernen wir. (Prof. Dr. h.c. mult. Grinsekatze)
;-)

28 Juni, 2007 07:03  

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